Bin ich schön? Oder: Wer darf vor meine Kamera?

Gibt es einen „Fotokörper“?

Die Überschrift habe ich bewusst provokant gestaltet, da dieses Thema mich sehr bewegt.

Ich bekomme sehr oft Nachrichten, in denen mich Frauen fragen, ob sie aufgrund ihres Körper, Alters oder generell ihres Aussehens überhaupt für ein Shooting bei mir geeignet sind. Oft gefolgt von dem Satz, dass die Frauen in den Galerien auf meiner Website alle so toll aussehen und sie befürchten, dass das bei ihnen nicht der Fall sein wird.

Ich bin darüber immer sehr traurig, denn warum sollte irgend ein Mensch NICHT fürs fotografiert werden geeignet sein? Muss man dafür irgendwas können? Ich dachte, das Können wäre Aufgabe des Fotografen?

Das Körperbild in den Medien.

Das verzerrte Selbstbild kommt natürlich nicht von irgendwo her. Es berührt uns alle und wir werden auch fast überall damit konfrontiert.
Die Medien sind voll von Diskussionen zum Thema „Körper“. Es gibt unzählige Blogs, Dokumentationen und Artikel, die sich mit dem Thema Körperwahrnehmung beschäftigen.
Es gibt Bewegungen pro Kurven, pro Sport, pro Cellulite usw…letztendlich finde ich, dass am Ende trotzdem immer ein kleines „aber“ bleibt.

Denn ja, heutzutage wird über die Medien propagiert, dass Kurven gewünscht sind, aber eben auch nur, wenn sie an den richtigen Stellen verteilt sind. Gleichzeitig kommt weiterhin keine Frauenzeitschrift ohne Diätpräparat-Werbung aus oder Artikel, wie man mit richtiger Kleidung „geschickt ein paar Kilo wegmogelt“. Ah ja, Dankeschön.

Boudoir Fotografie als Statement

Natürlich bemühe auch ich mich, jede Frau auf ihren Fotos gut aussehen zu lassen. Nicht weil ich finde, dass jeder einem Stereotyp von Schönheit entsprechen muss, sondern ganz einfach, weil ich davon überzeugt bin, dass jeder bereits schön ist. Und genau das möchte ich mit meinen Fotos zeigen.

Es geht doch nicht darum, Ideale zu erfüllen, sondern zu verstehen, dass man als Individuum unzählige Facetten hat. Da gibt es das entspannte Jogginghosen-Sofa-Ich, dass durchorganisierte Mutter-Alltags-Business-Ich, das Morgen-mach-ich-Sport-Ich usw, aber eben auch das Ich-sehe-fantastisch-aus-Ich.

Und das wird aus meiner Sicht viel zu häufig vernachlässigt, weil es sich nicht ziert, von sich selbst überzeugt zu sein. Denn schließlich hat ja wohl jeder etwas an sich zu „optimieren“. Wenn ich das schon höre!

Das Foto als Beweis: Ich will so bleiben wie ich bin!

Die Fotografie gibt mir an dieser Stelle die Möglichkeit, meine persönliche Überzeugung zu transportieren: Du bist, wer du bist und das ist genau richtig so! Du musst dich nicht optimieren. Gib einfach für dich dein Bestes, genau das ist gut genug!

Da die meisten Frauen aber nun mal am ehesten an sich selbst kritisieren, hilft ein Foto oft als Beweis: Ach Mensch, ich sehe ja richtig toll aus, wenn ich mich mal darauf einlasse und einfach mal alle Bedenken über Bord werfe.

Und nein, um das zu erleben, muss man nicht eine bestimmte Zahl an Kilos besitzen oder ein gewisses Alter haben. Dafür muss man einfach nur vertrauen: in sich selbst! ( und ein bisschen in mich)

Ich fotografiere seit 12 Jahren hauptsächlich Frauen und ich darf behaupten, dass von 20-70 schon jedes Alter vor meiner Kamera stand, jeder Figurtyp aber vor allem unzähligen Persönlichkeiten mit individuellen Lebensgeschichten.

Ich würde mir wünschen, dass sich viel mehr Frauen diesen Schritt zutrauen und sich vor die Kamera begeben.

Denn schön fühlen darf sich einfach jeder!

 

Die Bilder zu diesem Beitrag entstanden mit Model Sandra Gansweid. Sie lebt seit Jahren ihre Freude am Modeln vor der Kamera aus und hat in der Zeit auch Alter und Konfektionsgröße verändert 🙂